Kultursache
Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel


Sehr geehrte Damen und Herren,

die Bundesakademie beschäftigt sich schon lange, aktuell und sicherlich auch zukünftig noch einige Zeit mit dem Auf- und Ausbau diversitätsorientierter Strukturen in unserer Kulturlandschaft.
Zusammen mit dem Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen, dem Haus der Kulturen der Welt, dem netzwerk junge ohren sowie der Stiftung Genshagen arbeiten wir, gefördert durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, seit Längerem an einem Kompetenzverbund KIWit, der eine Art Baukastensystem aus Beratungen, Veranstaltungen, Information und Vernetzung für Einzelakteure und Institutionen zur Unterstützung des strukturellen diversitätsorientierten Umbaus anbietet. Sprechen Sie uns bei Interesse gerne an!

Ein jüngstes Beispiel unserer Arbeit in diesem thematischen Feld ist die Netzwerkplattform »New Connections«. Sie bot (Bühnen-)Künstler_innen fremder Herkunft u. a. mit Fluchterfahrung eine Möglichkeit, mit bereits länger in Deutschland arbeitenden Künstler_innen in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Dem Treffen lag die Haltung zu Grunde, dass man vor allem auch ästhetisch viel voneinander lernen kann. Die Netzwerkplattform wurde vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen gefördert und soll Nachahmer ermutigen, ähnliches zu etablieren.

Auch wenn das Jahr bald zu Ende geht: Es gibt (noch) viel zu tun in der Kulturellen Bildung. Ruhen Sie sich aus – aber nicht zu lange.

Ihre

Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss

Teams und Programme müssen diverser werden!
Ergebnisse unserer Netzwerkplattform »New Connections«


Rania Mleihi (Dramaturgin am Schauspiel Hannover) und Wessam Talhouq (freier Schauspieler in Hannover) erläutern die Theaterlandschaft in Syrien

Wie können internationale Theaterschaffende, die aktuell in Deutschland Zuflucht gefunden haben, einen Einstieg in die Theaterszene finden? Diese Überlegung stand im Mittelpunkt der Netzwerkplattform »New Connections«. Sie ist Teil einer umfassenderen Überlegung, nämlich der Frage danach, wie die deutsche Theaterszene insgesamt vielfältiger werden kann. Dazu müssen die Leitungen der Stadt- und Staatstheater das Thema Diversity zur Chefsache, zur vornehmen Leitungsaufgabe an ihren Häusern machen. Dass dies eine große Herausforderung ist und der wesentliche nächste Schritt sein muss, darüber waren sich die Kolleg_innen einig, die anlässlich der Netzwerkplattform »New Connections« am 30. November und 1. Dezember 2017 an der Bundesakademie in Wolfenbüttel zusammengekommen waren.

Dabei wurden auch Projekte von Theatern und Freien Gruppen vorgestellt und diskutiert, die sich des Themas Diversity bereits angenommen haben. Und es wurde deutlich, dass es Beratung, Unterstützung, Vernetzung und ggf. auch einen kulturpolitischen Richtungswechsel braucht, damit Theater und andere Kultureinrichtungen in ihren Leitungen, ihren Teams und ihrem Programm vielfältiger werden können.

»New Connections« war auf Initiative der Freien Gruppe boat people projekt in Göttingen, des Landesverbandes Freier Theater in Niedersachsen (LaFT) und der Bundesakademie zustande gekommen.

Wie geht es weiter, was folgt 2018?

Der Landesverband Freier Theater plant, 2018 eine Stelle unter seinem Dach zu schaffen, die Kommunikation, Beratung und Vernetzung zwischen den geflüchteten und den hier etablierten Kolleg_innen leisten kann.

Viele der Beteiligten wollen die Idee verfolgen, Mentoring- und Tandemmodelle an ihren Einrichtungen zu etablieren.

Bundesakademie, boat people projekt und LaFT werden den unterschiedlichen Impulsen und Fragen in weiteren Veranstaltungen nachgehen.

Den gesamten Artikel, weitere Informationen zur Netzwerkplattform sowie Kontaktmöglichkeiten und weiterführende Links finden Sie hier.

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Zukunft ungewiss - Theaterarbeit in Afghanistan
Ein Terroranschlag in Kabul, eine ungewisse Perspektive in Weimar. Zur Situation von Bühnenkünstler_innen in Afghanistan, 16 Jahre nach dem Ende des Taliban-Regimes


Das Parwaz Puppet Theatre spielt "Der Löwe, der nicht lesen konnte" (Foto: Nasir Formuli/youtube)

Nachdem unter den Taliban Theater- und Musikaufführungen verboten gewesen waren, hatte es seit 2002 wieder erste Hoffnungsschimmer gegeben. In den Ruinen des Nationaltheaters in Kabul sind nach Jahren des Theaterverbots wieder Vorstellungen gespielt worden. Doch blieb die Lage für Theaterschaffende lebensbedrohlich. Ein für 2004 erstmalig geplantes Internationales Theaterfestival in Kabul, das u.a. mit Unterstützung des Goethe-Instituts und der Kulturstiftung des Bundes zustande gekommen war, musste aus Sicherheitsgründen kurzfristig abgesagt werden. Dennoch kehrten wichtige Künstler aus dem Exil zurück und internationale Kolleg_innen engagierten sich im Land, wie z.B. Lehrende der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch aus Berlin oder die französische Regisseurin Ariane Mnouchkine, die 2005 Workshops in Kabul gegeben hatte und in der Folge afghanische Kollegen bei der Gründung des Aftaab Theatre unterstützte.

Eine neue Generation von Theaterschaffenden studiert in Kabul
Zu den jungen Menschen, die der lebensgefährlichen Situation für Bühnenkünstler_innen zum Trotz 2002 ein künstlerisches Studium in Kabul aufnahmen, gehörte Nasir Formuli. Gemeinsam mit Robert Schuster (hfs Ernst Busch) stellte er bei unserer Netzwerkplattform »New Connections« die aktuelle Lage afghanischer Bühnenkünstler_innen vor.

Mehr dazu lesen Sie hier.

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3 internationale Theaterprojekte


Das YALLA-Team: Wessam Talhouq, Roula Thoubian, Saham Elgaban, Akchafi Abby

Auf der »New Connections« stellten sich drei internationale Theaterprojekte vor, deren Ensemble aus herkunftsdeutschen, zugewanderten und geflüchteten Menschen bestehen: Das »boat people projekt« aus Göttingen, das »YALLA_Ensemble« aus Hannover und das »Open Border Ensemble« aus München. Wir wollten wissen, wie es zur Gründung dieser Projekte kam, was sie genau machen und was das Besondere daran ist sowie woran die Theaterschaffenden aktuell arbeiten.

Das YALLA_Ensemble, vorgestellt von Barbara Kantel, Schauspiel Hannover
Worin besteht Ihre Arbeit und was macht sie so besonders?

Das YALLA_Ensemble ist keine geschlossene Gruppe, sondern ein offenes Angebot, in dem über jeweils zwei Monate mit künstlerischen Formaten und Inhalten experimentiert und die Ergebnisse anschließend aufgeführt werden. Das Junge Schauspiel Hannover lädt junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren (Neuzugewanderte, Menschen mit (Post)Migrationshintergrund, Herkunftsdeutsche) dazu ein, das Theater in »ein Laboratorium für soziale Utopien« zu verwandeln, in dem sie eigene Geschichten und die der jeweils anderen kennenlernen. Mittels verschiedener künstlerischer Formen (performative Reenactments, Comics, digitales Graffiti, Flashmobs, Theaterspiel, Film) werden die sozialen Grammatiken von Stereotypen spielerisch untersucht und im öffentlichen Raum und im Ballhof Zwei aufgeführt. Eine Gesamtdarstellung aller YALLA-Produktionen am Spielzeitende ist vorgesehen.

Woran arbeiten Sie aktuell?
Der erste Projektteil unter der Leitung des irakischen Theaterpädagogen und Regisseurs Saham Elgaban endet am 25. November 2017 mit einer Präsentation im Ballhof Zwei. Unter dem Titel »Wohin wir gehen« zeigen 21 Darsteller_innen eine szenische Collage mit folgendem Inhalt: Ein paar Leute treffen sich zufällig auf einem unbekannten Planeten, nachdem sie ihre Heimatplaneten verlassen haben. Anfangs hat die Gruppe große Schwierigkeiten miteinander zu kommunizieren, doch dann entschließt sie sich, gemeinsam eine neue Welt zu gründen. Aber geht das? Einfach so?
Am 27. November 2017 beginnt der Schauspieler und Regisseur Wessam Talhouq mit den bisherigen Teilnehmer_innen sowie neuen Interessierten die zweite Projektphase. Geplant ist ein musikalisches Outreach-Projekt. In einem Bus machen sich die Teilnehmer_innen mit einem musikalischen Programm auf den Weg in die Stadt und die Region.

Die Kurzvorstellung aller drei Theaterprojekte finden Sie hier.

 

Aus dem Haus

••• Immer noch alles gut – Mythen Kultureller Bildung •••
2013 veröffentlichte der »Rat für Kulturelle Bildung« die Schrift »Alles immer gut – Mythen Kultureller Bildung«. Seitdem hat sich einiges getan, aber: Die Schulen sind immer noch sehr unterschiedlich im Bereich der ästhetischen Bildung aufgestellt und es bestehen nachgewiesenermaßen große Unterschiede in der Versorgung mit Angeboten Kultureller Bildung abhängig von den Schularten und vom sozioökonomischen Hintergrund der Eltern. Noch immer gibt es kein bundesweites Monitoring Kultureller Bildung und noch immer sind wir von einer bundesweiten Transparenz, wieviel Ressourcen für Kulturelle Bildung aufgewandt werden, wer teilnimmt und was wo passiert, weit entfernt. Dazu gibt es eine aktuelle Publikation aus dem kopaed Verlag, herausgegeben u. a. von Prof. Dr. Vanessa Reinwand-Weiss. Hier weiterlesen

••• Vierter Band »Rolf Thiele - Ästhetik der Überforderung« •••
Im November stellte Rolf Thiele, seit über 20 Jahren Dozent im Bereich Bildende Künste an der Bundesakademie, sein neuestes Werk in Wolfenbüttel vor: Die 440 Seiten umfassenden »Auf-Zeichnungen« in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren sind nummeriert und handsigniert in einem Schuber zusammengefasst: ein Plakat, in jedem Buchexemplar eine DVD »Poesie der Unvollkommenheit« sechs Vorträge im Rahmen der Wolfenbütteler Vorlesungen. Außerdem von Karolin Garland »Von der anderen Seite des Tisches« Texte zum Alltag in Galan, 260 Seiten, Auflage 100 Exemplare, nummeriert und handsigniert. Preis: 89 € plus 5 € Versand.  Mehr Informationen und Buchbestellung hier.

••• Wenn`s gut werden muss – 5 Modelle Kultureller Bildung •••
An der Akademie haben wir in den letzten beiden Jahren in fünf Projekten, die wir Ihnen gerne noch einmal im Überblick vorstellen wollen, jede Menge experimentiert. Unter Titeln wie »Fit im Kunstfeld«, »Gameplay@stage«, »Kreative als Motor für Regionen«, »Unter Strom« und »The Engaging Museum« liefen in Bildenden und Darstellenden Künsten, in Kulturmanagement, Literatur und Museum Qualifizierungsreihen, bei denen wir Vieles probiert und zugleich auf die Probe gestellt haben. Doch was kommt jetzt? Auf der gemeinsamen Tagung der Programmbereiche am 13. Dezember  »Wenn’s gut werden muss | Fünf Modelle Kultureller Bildung«  sprechen wir über notwendige Themen in der Fort- und Weiterbildung von Akteuren Kultureller Bildung, über kultur- und bildungspolitische Herausforderungen, über Förderpraxis und über Kunst. Weitere Informationen zu den Qualifizierungsreihen und Anmeldung zur Tagung finden Sie hier.

••• KIWit nimmt seine Arbeit auf •••

Wie lässt sich Diversität in Kunst und Kultur fördern? Was braucht es zur Weiterentwicklung von institutionellen Strukturen und individuellen Handlungsweisen? Diesen und weiteren Fragen wird sich der neu gegründete Kompetenzverbund Kulturelle Integration und Wissenstransfer – kurz KIWit – stellen und praktische Lösungsansätze finden. Ziel ist es, im kritischen Austausch von Kunstschaffenden und -vermittler_innen, Forscher_innen, Unternehmer_innen, Politiker_innen, zivilgesellschaftlichen Initiativen und Kultureinrichtungen sowie -administration ein systematisches Konzept der Qualitätsentwicklung und -sicherung zu erarbeiten. »Die KIWit-Mitglieder betrachten Teilhabe an Kunst und Kultur als wichtigen Baustein einer zeitgemäßen Einwanderungsgesellschaft und wollen deshalb diversitätsbewusstes Handeln von Einzelakteur_innen und Institutionen fördern«, sagt Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Direktorin der Bundesakademie. Informationen zu KIWit finden Sie hier.

••• Das KIWit-Team  •••

Für das Projekt KIWit haben wir zwei neue Stellen schaffen können: Der Musikwissenschaftler und Kulturmanager Lukas Bergmann wird den Verbund als Projektmanager koordinieren. Die inhaltliche Konzeption der Qualifizierungsmaßnahmen übernimmt die Kulturwissenschaftlerin und Musikvermittlerin Gerda Maiwald als Projektreferentin. 

 


Lektüretipp von der Wissensplattform Kulturelle Bildung Online

Auf der Wissensplattform Kulturelle Bildung Online gibt es eine große Anzahl an Fachbeiträgen mit dem Themenschwerpunkt »Kulturelle Vielfalt: Wie gelingt Inklusion?«: https://www.kubi-online.de/themenfeld/kulturelle-vielfalt-gelingt-inklusion

 

Drei der aktuellsten Publikationen auf dem Onlineportal sind:
»Kultureinrichtungen öffnet euch.« Kooperationen für mehr Perspektiven
Kristina Stang

 

Visionen und Handlungsfelder für eine diskriminierungskritische Kulturszene. Wie konzipieren wir in Zukunft kulturelle Bildungsprojekte? Maren Ziese

 

Bei sich selbst anfangen... Kulturelle Bildungsarbeit vor dem Hintergrund von Flucht und Migration Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss

 

Veranstaltungen

Cultural Policy for Arts Education. A first African-European Exchange
1. and 2. February 2018 in Wolfenbüttel: A Research Atelier hosted by the UNESCO-Chair in Cultural Policy for the Arts in Development at the Department of Cultural Policy of the University of Hildesheim in cooperation with the Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel brings together experts from the universities in Daressalam, Kampala, Nairobi, Pretoria, Johannesburg, Casablanca and Tunis to exchange concepts in Cultural Policy for Arts Education. More Information here.

Unter dem Titel Viel, aber nicht vielfältig – wie wird der politische Diskurs divers? veranstalten Die offene Gesellschaft und DeutschPlus e.V. am 12.12.2017 eine Diskussionsrunde in Berlin. Der Eintritt ist kostenlos, weitere Informationen hier.

 

Jobs

Programmleitung Bildende Kunst
Die Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel besetzt ab dem 1. Mai 2018 die Stelle der Programmleitung Bildende Kunst in Vollzeit. Die Leitung des Programmbereichs besteht in der Konzeption, Weiterentwicklung, Organisation und Durchführung des Fort- und Weiterbildungsprogramms, auch in interdisziplinärer Kooperation mit den anderen Programmbereichen. Bewerbungsschluss: 15. Dezember. Alle Infos dazu
hier.

Kaufmännische Leitung Museen
KULTURPERSONAL sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Kaufmännische Leitung Museen in Vollzeit für eine renommierte Betriebsgesellschaft mehrerer Museen in einer attraktiven Urlaubsregion im Norddeutschen Raum. Mehr als 90.000 Besucher_innen jährlich können hier Dauer-und Sonderausstellungen erleben. Abgerundet wird das Profil durch gastronomische Angebote, die ein wesentlicher Bestandteil des wirtschaftlichen Erfolges sind. Bewerbungsschluss: 10. Dezember. Die Infos dazu hier.

Leitung der Geschäftsstelle
Der art der stadt e.V. in Gotha sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Leitung der Geschäftsstelle. Arbeitsumfang: 30 Wochenstunden. Bewerbungsschluss 17. Dezember. Informationen dazu
hier.

 

Ausschreibungen

Neulandgewinner. Zukunft erfinden vor Ort  
Die Robert Bosch-Stiftung fördert engagierte Menschen, die durch ihr Denken und ihr Tun den gesellschaftlichen Zusammenhalt in ländlichen Räumen Ostdeutschlands stärken. Bewerbungsschluss: 25. Februar 2018. Informationen zur Ausschreibung
hier.  

Europeans for peace
»Celebrate diversity! youth exchange for all« – so der Titel der neuen Ausschreibung des Jugendaustauschprogramms EUROPEANS FOR PEACE. Das Förderprogramm für internationale Jugendprojekte will Jugendliche für Menschenrechte, Zivilcourage und soziales Engagement interessieren und gewinnen. Bis zum 22. Januar 2018 sind Schulen und außerschulische Bildungsträger eingeladen, sich mit internationalen Partnern zusammenzuschließen und eine Förderung für eine gemeinsame Projektarbeit zu beantragen.
Zur Ausschreibung.
 

Abmeldung
Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel, Schlossplatz 13,
38304 Wolfenbüttel, Tel.: 05331/808-411, Fax: 05331/808-413. Impressum