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Newsletter01/25: Zukunft

Dürfen die das?

Dürfen die das?

In gesellschaftlich konflikthaften Zeiten fällt besonders auf, dass sich Kulturinitiativen und -einrichtungen – auch solche aus der Soziokultur und der kulturellen Bildung – auch gesellschaftspolitisch positionieren. Das führt manchmal zu gelegentlich kritischen Fragen. Hierzu ein paar grundsätzliche Gedanken. 

Kunst und Kultur entstehen nicht im luftleeren Raum. Künstlerinnen und Künstler verarbeiten in ihren Werken Lebenserfahrungen, geben Fragen, Visionen, Hoffnungen und Wünschen einen gestalteten Ausdruck und schaffen neue Perspektiven auf unsere Lebenswirklichkeit. Angebote der kulturellen Bildung initiieren, ermöglichen und begleiten Lernprozesse, in denen Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen sich Kompetenzen aneignen, um ihren Fragen, Ideen und natürlich auch ihren Freuden oder ihrem Ärger Ausdruck zu geben – in Bildern, Texten, Tönen …

Demokratie keine Zuschauerveranstaltung

Unsere demokratische Gesellschaftsform lebt davon und ist – im Gegensatz zu autoritären Strukturen mit von oben vorgegebenen Regeln und Maßnahmen – angewiesen darauf, dass wir alle bereit und in der Lage sind, uns über unser Zusammenleben auszutauschen und aus unseren unterschiedlichen Lebensentwürfen etwas Gemeinsames zu gestalten. Um in diesem Sinne mündige Bürgerin, mündiger Bürger zu sein benötigen wir diese kulturelle Bildung. Die kommunalen und staatlichen Verantwortungsträger*innen haben aus diesem Grund die Pflicht, Strukturen zu bilden und vorzuhalten, die allen an unserer Demokratie Beteiligten die Möglichkeit geben, sich in Prozessen der kulturellen Bildung ästhetische sowie kommunikative Kompetenzen anzueignen und diese gemeinsam mit anderen weiter zu entwickeln. So weit das Ideal.
Praktisch sieht es so aus, dass es für die Träger kultureller Einrichtungen und Initiativen noch viel zu tun gibt. Dass unsere Demokratie keine Zuschauerveranstaltung ist, ist wohl Allgemeingut. Was den öffentlichen und aus öffentlichen Mitteln getragenen Kulturbetrieb angeht, müssen wir auf der Grundlage diverser Studien immer wieder feststellen, dass nur eine Minderheit unserer Bevölkerung zu deren regelmäßigen Nutzer*innen gehört.
Das Bild wird besser, wenn wir uns die vielen unterschiedlichen Initiativen und Vereine anschauen, die mit großem bürgerschaftlichen Engagement Kultur schaffen. Auch die kommunalen und staatlichen Kultureinrichtungen haben in den letzten Jahren - teilweise auch schon Jahrzehnten - viel unternommen, um sich stärker zu öffnen, aus den Häusern heraus zu gehen ins gesellschaftliche Umfeld und neue Beteiligungsformate zu entwickeln.

Freie Einrichtungen und Soziokultur

Ohne die vielen freien Einrichtungen, Vereine und Verbände der kulturellen Bildung und der Soziokultur kann gesellschaftliche Beteiligung allerdings nicht im gewünschten, ja, notwendigen Maße gelingen. Sie ermöglichen unterschiedlichsten Menschen und Gruppen eine aktive Rolle im kulturellen Leben ihrer Städte und Gemeinden. Sie bieten Gelegenheit, Raum und Bühne für Menschen, die ihre Fragen, Freuden, Sorgen und auch ihre gesellschaftlichen Statements ausformen und in Bildern, Tönen und Texten vorstellen können.
Menschen, die sich in Kultureinrichtungen, -vereinen und -initiativen kreativ betätigen oder in deren Strukturen gestaltend einbringen, durchleben nicht nur selbst bereichernde Lernprozesse, sie sind auch aktive und wertvolle Mitglieder dessen, was wir demokratisches Gemeinwesen nennen und was die Basis unseres Zusammenlebens ist. Wenn aus diesen Reihen unbequeme Positionen bezogen werden, sollten politisch Verantwortliche dies als Einladung zum Diskurs begreifen.
Im Übrigen: Selbstverständlich hat auch der Freiraum in den Kultureinrichtungen Grenzen. In Leitbildern, Hausordnungen und anderen Erklärungen der Einrichtungen wird deutlich, dass menschenverachtende, antisemitische, rassistische, homophobe und queerfeindliche Äußerungen oder Handlungen nicht akzeptiert werden – und das ist gut so.