Kultursache
Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel


Liebe Freundinnen und Freunde der Bundesakademie,
der Deutsche Kulturrat hat mit seiner gesellschaftlich breit angelegten »Initiative kulturelle Integration« erneut dazu aufgerufen, kulturelle Vielfalt endlich auch im Kulturbereich konsequent umzusetzen. Um dies als kulturelle Einrichtung oder Einzelperson zu leisten, braucht es nicht nur eine demokratische, tolerante und weltoffene Grundhaltung, sondern auch Kenntnisse und Fähigkeiten. Zu verstehen, wie das Angebot, das Personal und das Publikum zu verändern sind, ohne zu stigmatisieren und es nur gut zu meinen, aber womöglich nicht gut zu tun, ist ein wichtiger Schritt zu mehr Diversität. Immer wieder bieten wir in Veranstaltungen an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung einen Reflexionsraum an, der unter anderem diese Fragen behandelt. Werfen Sie beispielsweise einen Blick auf die Dokumentation der vergangenen Tagungen »Kultureinrichtungen und Diversität – das Erfolgsmodell?« oder »Theaterarbeit mit jugendlichen Geflüchteten«.

Es reicht aus unserer Sicht jedoch nicht, einzelne Veranstaltungen zu diesem Themenfeld anzubieten, sondern wir versuchen zunehmend in jedem Angebot Transkulturalität und Diversität als Prinzip zu erkennen und umzusetzen. Hilfreich sind dabei beispielsweise kulturelle Programme wie das Förderprogramm des Landes Niedersachsen für Menschen mit Fluchterfahrung, das CrossCulture Stipendium des Instituts für Auslandsbeziehungen, an dem wir wiederholt teilnehmen, oder das Programm 360° der Kulturstiftung des Bundes.
Im Kern geht es bei all diesen Bemühungen darum, langfristig institutionelle Machtmechanismen zu verändern, damit Kultur eben nicht exkludiert, sondern umfassende Teilhabe ermöglicht. Dass auch wir als Bildungsinstitution dabei nicht frei sind von »blinden Flecken«, betont einer unserer Dozenten und Kulturvermittler an der Komischen Oper Berlin, Mustafa Akça, in seinem Gespräch mit unserer Programmleiterin Andrea Ehlert.

Mit diesem Interview läuten wir eine neue Form des Newsletters ein. Zukünftig möchten wir Ihnen an dieser Stelle mehr über Themen erzählen, die uns in unserer Programmgestaltung für Sie sowie kultur- und bildungspolitisch beschäftigen. Wir möchten Ihnen Dozentinnen und Dozenten vorstellen und Ihnen so hoffentlich auch zwischen Ihren analogen Besuchen an der ba● ein paar Impulse für Ihre Tätigkeit geben. Weiterhin erhalten Sie von uns gesondert von den Newslettern gezielt auf Sie abgestimmte Programminformationen, so dass Sie jederzeit auf dem aktuellen Stand unseres Angebotes sind.

Wir freuen uns immer, uns mit Ihnen weiterzuentwickeln,
Ihre Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss

Unbedingt ein Phrasenschwein aufstellen

Ein positives Beispiel für Diversität und diverse Kulturvermittlung ist das interkulturelle Projekt »Selam Opera!«, das Mustafa Akça seit 2011 an der Komischen Oper in Berlin leitet. Am Rande einer Tagung, auf der Mustafa Akça zum ersten Mal als Referent bei der Bundesakademie tätig war, sprach Andrea Ehlert mit ihm über Diversität und deutsche Hochkultur.

http://www.bundesakademie.de/img/Mustafa_Akca_klein.jpgWarum sollte deutsche Hochkulturoper erstrebenswert sein für Migrant_innen?
Egal ob Migrant oder Ursprungsbewohner, alle sollten in dieser Gesellschaft gleichermaßen die Möglichkeit haben, an den Früchten der Hochkultur teilzuhaben. Sie selbst sollten entscheiden können und nicht ihre Herkunft.


Im Grunde sollte man das Ganze jedoch eher andersherum betrachten, dass nämlich die Hochkultur sich für die Migranten und deren Geschichten und Lebenswelten interessiert und öffnet. So bekommt die Gesellschaft nicht immer wieder das Gleiche vorgesetzt, sondern es entsteht eine gewisse Dynamik.
Ein Koch kann ja aus all dem, was in seinen Vorratskammern ist, etwas zaubern. Mehr Vielfalt bereichert auf jeden Fall die Küche. Die Entwicklung der Esskultur in Deutschland ist das beste Beispiel dafür.
 

Wie schaffst Du es, ein diverses Publikum zu erreichen?
Ich musste mir diese Kanäle auch erstmal aufbauen. Das ist ein langer Weg. Wenn Du als Einrichtung im Prinzip seit 100 Jahren diese Menschen nicht eingeladen hast, dann muss man sie vielleicht auch erstmal 100 Jahre einladen bis sie kommen. Das geht nicht von heute auf morgen. Bei uns hat es am besten über die Kinder funktioniert. Die Eltern haben uns zum Beispiel gefragt, was tut ihr denn für unsere Kinder? Mit der bewussten Förderung einer größeren Diversität im Kinderchor der Komischen Oper haben wir auch die Mütter erreicht und im besten Fall auch die Väter.
Manchmal gehen wir aber auch ungewöhnliche Wege, wie z. B. als Trikotsponsor bei einer türkischstämmigen Herren-Fußballmannschaft oder beim Schalten von Anzeigen in der Berliner Taxifunkzentrale. Da muss man viel ausprobieren.

Diversity-Tagungen habe ich nun genug gehabt, zu Diversity-Managementkursen kommen keine Entscheider ... Was muss der nächste Schritt sein?
Auch ich habe Veranstaltungen zu diesem Thema erleben dürfen, bei denen der Vortragende vorne steht und erzählt, dass man Menschen, die man erreichen möchte, auf »Augenhöhe begegnen solle« oder dass die »Schwellen zu hoch seien« oder dass man »die Migranten dort abholen soll, wo sie sind«. Also aneinandergereihte Phrasen, mit denen die Teilnehmer eingedeckt werden.
Am bemerkenswertesten ist für mich jedoch, dass die Zuhörer solcher Veranstaltungen nach jedem dieser Schlagwörter und Phrasen ein Raunen von sich geben, Heft und Stift zücken und alles aufschreiben, als ob Jesus oder der Prophet persönlich zu ihnen gesprochen hätte. Wie bei der Fußballsendung »Doppelpass« sollte immer bei derartigen Veranstaltungen ein Phrasenschwein aufgestellt werden, das bei jeder Phrase mit einem Geldstück gefüttert wird. Das Schwein wird dann am Ende geschlachtet und die Summe für einen guten Zweck gespendet. ...

Zum kompletten Interview mit Mustafa Akça  
 

Internes

•• Jahresbericht zum Download••
Pünktlich zur Mitgliederversammlung ist unser Jahresbericht 2016 mit dem Geschäftsbericht und vielen Informationen u. a. zum Veranstaltungsprogramm sowie unseren Projekten und Mitarbeiter_innen  erschienen. Viel Vergnügen bei der Lektüre! Hier geht's zum Download

 

•• Berbel Unruh ist neues Vorstandsmitglied ••
Auf der 32. Mitgliederversammlung der ba• am 20. Juni wurde Berbel Unruh als neues Vorstandsmitglied gewählt. Sie ist die Verbandsdirektorin des Landesverbands der Volkshochschulen Niedersachsens. Wir verabschieden uns von Dietrich Burggraf, der sich 20 Jahre ehrenamtlich als Vorstandsmitglied und -vorsitzender für die Belange der Bundesakademie eingesetzt hat.

 

••  WAT-Jahresband »Fernlicht« ist erschienen ••

Nicht per Anhalter durch die Galaxis, sondern mit Fernlicht durch Vergangenheit zur Gegenwart in die Zukunft. Das war unser Wunsch und Wollen 2016, dem 30 jährigen Jubeljahr der ba•. Konzentrierte Fernlichtkegel haben wir in alle Richtungen geworfen, und aus dem Dunkel stach mal das eine, dann ein ganz Anderes hervor. Deshalb finden Sie ganz und gar unterschiedliche Zugänge zu »Fernlicht«, jeder für sich gleichsam ein kurzes, konzentriertes Aufscheinen in unserem Programm und Jahresband der Wolfenbütteler-Akademie-Texte, der soeben erschienen ist. Zum WAT-Band und zur Bestellung.

 

•• FSJ-Projekt »SoundSlam« mit Künstler_innen aus der Region ••

Ein halbes Jahr plante und organisierte unsere FSJlerin Angelina Eimecke ihr Projekt im Rahmen des FSJ Kultur und am 21. Mai war es dann soweit: Vier unterschiedliche Acts und viele nette Menschen - das war der Sound Slam! Das Konzert gab jungen Musiker_innen aus der Region die Möglichkeit, ihre eigenen Songs vor Publikum zu präsentieren. Zu den Fotos

 

•• ba•unterwegs in der Kulturhauptsstadt Belgrad••

Eine Gesandtschaft der Bundesakademie war im Mai zusammen mit Kolleg_innen von KulturKontakt Austria und der Stiftung Genshagen in der Kulturhauptstadt 2017 Belgrad unterwegs. Unter dem Fokus »Europe & Identity« haben sie sich über die serbische Kulturszene informiert. Kennengelernt haben sie ein Land mit großen Gegensätzen und Konflikten, spannende Projekte und faszinierende Persönlichkeiten, die unter zum Teil schwierigsten Bedingungen ihrer oft sehr politischen Kunst nachgehen. Wir werden den Kontakt halten und sicher schon bald einige der Kulturschaffenden einladen, um das Programm der ba• mitzugestalten. Zu den Fotos

 

http://www.bundesakademie.de/img/Galeria_klein.JPG

 

•• Andrea Ehlert feiert 25-jähriges Dienstjubiläum••

Herzlichen Glückwunsch an Andrea Ehlert, Programmleiterin für Kulturmanagement, -politik und -wissenschaft, zum 25. Dienstjubiläum und ein Dankeschön für ihren großartigen Einsatz in den unterschiedlichsten Bereichen hier an der Bundesakademie!

 

 •• EU-Job-Shadowing ••

Eine Woche lang wurde unser Museums-Programmleiter Andreas Grünewald Steiger regelrecht beschattet. Und zwar von einer Kollegin aus Österreich: Margit Horvath-Suntinger. Im Rahmen des »EU-Job-Shadowing« begleitete sie ihn in seinem Arbeitsalltag auf eine Tagung nach Osnabrück, schnupperte in Seminare rein und sprach mit vielen Kolleg_innen im Haus. Weiterlesen
 

Veranstaltungen

Diversity-Konferenz
Diversity in Gefahr? Wie können wir Vielfalt sichern und entwickeln? Antworten gibt die DIVERSITY, am 16. und 17. November 2017 in Berlin. Die Diversity-Konferenz wird seit 2012 gemeinsam vom Verlag Der Tagesspiegel und der Charta der Vielfalt veranstaltet und hat sich als unabhängige Plattform für Austausch und Innovation etabliert. In jedem Jahr werden über 300 Akteur_innen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft erwartet. Weiterlesen.  

 

New Connections. Künstlerisches Netzwerktreffen

Welche Theater- und Tanztraditionen, Formensprachen, Arbeits- und Darstellungsweisen bringen Künstler_innen mit, die in den letzten Jahren zu uns geflüchtet sind? Wie können sie hier an ihre professionelle Arbeit anknüpfen? Welches Wissen und welche Unterstützung brauchen sie? Was können, was wollen wir gegenseitig voneinander lernen? Die »New Connections« am 30. November und 1. Dezember in Wolfenbüttel ist eine gemeinsame Weiterbildungs- und Netzwerkplattform, die von der Bundesakademie in Kooperation mit verschiedenen Partnerverbänden und Kunstschaffenden ausgerichtet wird. Weiterlesen

 

5. Integrationskonferenz Gesellschaftliche Teilhabe
Werkstattforum IV: Die Kultur packt an
Am 24. August 2017 findet im Landesmuseum Hannover das Werkstattforum 4 »Zwei mal drei macht vier, und drei macht neune - Wie Kulturprogramme integrieren« statt. Neben Impulsvorträgen, die den Blick über den Tellerrand eröffnen, werden die Türen zu 7 Worldcafés aufgestoßen, in denen alle Ebenen partizipativer niedersächsischer Kulturarbeit schlaglichtartig beleuchtet werden. 
Organisation: Bundesakademie für Kulturelle Bildung, Andrea Ehlert.
Impuls: Frauke Patzke, MWK und Prof. Dr. Jens Schneider, Universität Osnabrück, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (angefragt) und Antonia Isabelle Weisz, Berlin. Weiterlesen
 

Jobs

Fachreferent_in Theaterpädagogik
In der Geschäftsstelle der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Spiel & Theater e.V. ist ab sofort die Stelle einer_s Fachreferent_in »Theaterpädagogik international und bundesweit« im Rahmen einer unbefristeten Position zu besetzen. Bewerbungsschluss: 31. Juli 2017. Weiterlesen 

 

Referent_in für Musik
Die Landesmusikakademie Hessen besetzt zum 1. September 2017 die Stelle einer_s Referent_in für Musik in Vollzeit. Bewerbungsschluss. 7. Juli 2017. Weiterlesen

 

Auswärtiges Amt sucht Referent_innen

Das Auswärtige Amt in Berlin sucht zum frühestmöglichen Zeitpunkt mehrere Referent_innen mit Berufserfahrung in den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Kommunikation für eine befristete Beschäftigung (max. 2 Jahre) in der Abteilung für Kultur und Kommunikation. Bewerbungsschluss: 27. Juni 2017. Weiterlesen

 

Referent_in für Musik und Kulturelle Bildung

Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V. in Berlin sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine_n Referent_in für den Programmbereich Musik und Arbeitskreis Kulturelle Bildung in Vollzeit. Bewerbungsschluss: 29. Juni 2017. Weiterlesen

 

Ausschreibungen

Kultur- und Kreativpiloten 2017
Im Namen der Bundesregierung werden seit 2010 jedes Jahr 32 Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft ausgezeichnet. Als Kreativpilot nimmt man an einem einjährigen Mentoring-Programm teil. Alle Unternehmen, Selbständige, Gründer und Projekte aus der Kultur- und Kreativwirtschaft können sich bewerben. Egal, ob allein oder mit dem gesamten Team, ob es die Idee nur auf dem Papier gibt oder schon umgesetzt wird. Bewerbungsschluss: 30. Juni 2017. Weiterlesen

 

Kulturvermittlungspreis Wolfenbüttel

2017 wird zum zweiten Mal der Preis für Kulturvermittlung der Stadt Wolfenbüttel vergeben. Dieser prämiert herausragende, regionale Angebote der Kulturvermittlung oder Kulturellen Bildung. Mit der Vergabe wird die große Bedeutung von öffentlichen und privaten Institutionen sowie bürgerschaftlichen Initiativen in der Vermittlungsarbeit gewürdigt. Bis zum 31. August 2017 läuft die Bewerbungsphase. Weiterlesen

 

Abmeldung

Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel, Schlossplatz 13,
38304 Wolfenbüttel, Tel.: 05331/808-411, Fax: 05331/808-413. Impressum