Jahresthema

Willkommen … im Jahresprogramm der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel, dem Ort für Kunst, Kultur und ihrer Vermittler.

Jahresthema 2017

»Ausgekocht«

Essen ist ein Grundbedürfnis. Ohne Nahrung können wir nicht lange überleben. Zu essen heißt aber viel mehr, als das blanke Überleben. Was wir essen, wie wir essen und mit wem wir essen ist Ausdruck unserer Kultur und Identität. Erinnerungen an die heimische, meist mütterliche Küche, begleiten uns ein Leben lang, und wir fühlen uns bei einem leckeren Essen »zu Hause«. Wenn wir reisen, interessiert uns das Essen des jeweiligen Landes oder der Region und angesichts vielfältiger Esskulturen, die heute unseren westlichen Alltag prägen, fällt es manchem sogar schwer, sich zu orientieren zwischen thailändisch, georgisch oder italienisch, zwischen vegetarisch, vegan oder Paleo. Aus einem Grundbedürfnis wird für uns dann eine Gestaltungsfrage und angesichts Massentierhaltung und Überflussgesellschaft eine Frage der Verantwortung.

Auch mit Blick auf die gesellschaftspolitische Situation unseres Landes stellen sich schnell Fragen nach Grundbedürfnissen und wie sie zu erfüllen sind. Geflüchtete Menschen aufzunehmen, Verantwortung zu übernehmen für selbst initiierte Entwicklungen heißt eben nicht nur, Grundbedürfnisse zu erfüllen, sondern Wirklichkeit zu gestalten. Wie bei einem guten Mahl reicht es nicht, die Zutaten auf den Tisch zu stellen. Alles muss gekocht, angerichtet und schließlich verzehrt werden. (KulturCamp »Ausgekocht« - unter Beteiligung aller Programmbereiche, ku-9)

Künstler_innen, Kulturschaffende und Kulturvermittler_innen sind nicht für Grundbedürfnisse zuständig, sehr wohl aber dafür, diese Bedürfnisse einzufordern und zu gestalten. Und so stellen wir uns auch in diesem Jahr zahlreichen Fort- und Weiterbildungsthemen, die nah an zentralen Fragen unserer Zeit sind: Wie gestalten wir Vielfalt und Diversität in unseren Kultureinrichtungen? (»Fortbildungsangebote zu Diversität« ku-27, ku-28, ku-29, »Geflüchtete Künstler_innen in Deutschland. »Das halbe Staatstheater Damaskus ist jetzt in Hannover« dk-30) Wie schaffen wir eine Praxis der In- und nicht der Exklusion durch Kunst und Kultur? (»The Engaging Museum: Theorie und Praxis der Inklusion mit dem Schwerpunkt Bildung und Vermittlung/Museumspädagogik« mm-32 oder »Cultural Policy for Arts Education. A first African-European Exchange« ku-18) Wie sprechen wir über eine Praxis der Inhumanität, und wie können wir das Unaussprechliche verhandeln? (»Targets – der Mensch als Ziel« lit-11) Wie kommunizieren wir unsere Vorstellungen und Wünsche in einer interessengesteuerten Demokratie? (»Stadt im Streit. Künstlerische Interventionen in einem fiktionalen, städtischen Raumkonflikt« bk-8) Wie gesellschaftskritisch ist Kunst eigentlich noch im 21. Jahrhundert? (»Strategien des Politischen in den Darstellenden Künsten« dk-7, sowie dk-8 und dk-9 auf der Homepage) Und nicht zuletzt: Wie muss sich Kulturelle Bildung wandeln, um zeitgemäße Formen anbieten und möglichst viele Menschen erreichen zu können? (»Mobile Music in the Making. Fachtagung zu Perspektiven musikalisch-kultureller Bildung und Appmusik« mu-2)

In der Diskussion und Behandlung dieser Fragen setzen wir an der Bundesakademie bei Tagungen, Seminaren und Qualifizierungsreihen auf künstlerische und kulturelle Praxis. Die Auseinandersetzung mit den Künsten steht im Mittelpunkt jedes unserer Angebote, angeleitet und begleitet von qualifizierten und passgenau ausgewählten Dozent_innen. Bei uns wird nicht nur über das Essen gesprochen, bei uns wird gekocht!

In diesem Programmheft finden Sie den größten Teil, aber nicht alle unsere Veranstaltungen des Jahres 2017. Immer lohnt sich zusätzlich ein Blick auf unsere Homepage, auf der wir tagesaktuell Angebote bewerben oder von vergangenen Veranstaltungen berichten. Neben unserem Fort- und Weiterbildungsangebot steht das Team der Bundesakademie auch als Berater für (kulturpolitische) Prozesse Kultureller Bildung, als Praxispartner der Wissenschaft, als Projektpartner (zum Beispiel im Qualitätsverbund »Kultur macht stark« oder im niedersächsischen Programm »SCHULE:KULTUR!«) sowie als offenes Haus für Ihre Kulturveranstaltung zur Verfügung. Bitte kommen Sie jederzeit auf uns zu!

Trotz der intensiven Beschäftigung mit gesellschaftspolitisch drängenden und auch unbequemen Themen, wären wir nicht das Team der Bundesakademie für Kulturelle Bildung, wenn sich nicht hie und da ein künstlerisches Augenzwinkern und viel ausgekochter Eigensinn sowie spielerische Kreativität einschleichen würden. Bei aller professionellen und zeitgemäßen Relevanz unserer Angebote – unsere Veranstaltungen machen nicht nur uns Freude, sondern Ihnen ist ein Perspektivwechsel ganz im Sinne eines kulturellen Bildungsprozesses garantiert. Überzeugen Sie sich also selbst und kochen Sie mit uns, denn wir sind in jeder Hinsicht überzeugt: viele Köche verfeinern den Brei!

Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss

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