Dokumentationen

Dokumentation der Tagung »Strukturen für eine kulturelle Schulentwicklung« |
25. bis 26. Januar 2016

In nahezu allen Bundesländern gibt es – mehr oder weniger lange und unterschiedlich große – Programme/Projekte zu Kultureller Bildung für/in Schulen, teilweise auch gefördert von Stiftungen und Ministerien. Auf der Tagung wurden diese Programme und Projekte zusammenfassend sowie vergleichend vorgestellt und diskutiert.

Einige dieser Modelle wurden politisch, wissenschaftlich und praktisch abgeklopft – und zwar: Worauf laufen die Programme hinaus, wo gleichen, wo unterscheiden sie sich? Sind Stärken und Schwächen erkennbar und was können wir denjenigen mit auf den Weg geben, die jetzt ein solches Programm starten wollen?
Teilgenommen haben die politischen Ebenen verschiedener Bundesländer (Kultusministerien, Kulturministerien), Kollegen und Kolleginnen aus Schulen, Wissenschaft  und Stiftungen sowie Mitwirkende der verschiedenen Programme und zahlreiche weitere am Thema Interessierte.

Kurze Zusammenfassung der Tagungsinhalte und -ergebnisse

Wir haben die Tagung mit Graphic Recording dokumentieren und von drei ausgewiesenen Fachleuten  beobachten lassen. Deren Ergebnisse finden Sie ebenfalls in der Dokumentation wie auch die Vorträge und Präsentationen sowie noch eine Reihe von zusammenfassenden Texten der Podien und der Markstände.
Wie kann Kulturelle Bildung in Schulen implementiert und verstetigt werden? Welche Strukturen sind dazu nötig? Und wie können sie nachhaltig gestaltet werden? Während der zweitägigen Fachtagung wurde das Thema der kulturellen Schulbildung auf politischer, wissenschaftlicher und praktischer Ebene diskutiert.

Dass das Zusammenspiel von Kultureller Bildung in der Schule bereits funktioniert, zeigen zahlreiche Modellprojekte in ganz Deutschland. Routinen können so aufgebrochen und fachliche Grenzen überwunden werden, um so authentische Erfahrungen seitens aller teilnehmenden Akteur_Innen zu ermöglichen. Jedoch stoßen sie dabei oftmals auf institutionelle Grenzen: Sei es durch eingeschränkte Zeit- und Raumstrukturen oder durch fehlende Personalressourcen, wie es in zahlreichen Schulen der Fall ist. Die zusätzliche Integration von Kultureller Bildung in den Schulalltag kann dadurch als zusätzliche Anstrengung empfunden werden.  

Um solche Hürden zu überwinden, sind ausgebildete Vermittler zwischen Kulturpartnern und Schule nötig. Jedoch gleicht eine Schule keiner anderen – es gibt also nicht ein Universalmodell, welches als Lösung für alle herangezogen werden kann. Außerdem sollte jedes Programm für Kulturelle Bildung in Schulen auch immer kritisch hinterfragt werden: Welche Ziele sollen erreicht werden? Und sind diese überhaupt realisierbar?

Für die Erweiterung von bestehenden Strukturen ist nicht nur die Schule als Akteur verantwortlich, die sich zunächst selbst reflektieren sollte, wenn sie ihre Lernkultur verändern möchte. Auch die Politik ist dabei ein wichtiger Katalysator und als Unterstützer nötig, um einen Wandel in der Schullandschaft mitgestalten zu können. Nur mittels der Bereitstellung von weiteren finanziellen und personalen Ressourcen können Programme zur Kulturellen Bildung in Schulen nachhaltig gestaltet werden und somit dazu beitragen, dass Schulen zu einem neuen Selbstverständnis als Bildungsinstitution gelangen können – nicht nur im Sinn der fachlichen Ausbildung, sondern auch hinsichtlich der Förderung der Persönlichkeitsentwicklung ihrer Schüler_innen.

Um dies auch wissenschaftlich fundiert und praktisch zu gestalten, sollte die kulturpolitische Forschung bezüglich Kultureller Bildung in Schulen weiter ausgebaut werden, damit die Effizienz von Programmen nicht erst im Nachhinein evaluiert, sondern von Anfang an so gestaltet werden kann, damit die zu erreichende Zielgruppe – die Schüler und Schülerinnen – bei der Programmgestaltung nicht auf der Strecke bleibt. Dadurch kann auch der häufig oberflächliche und zeitlich beschränkte „Projektcharakter“ von Programmen Kultureller Bildung überwunden und ein Anschluss an die alltägliche Lebenswelt in der Schule gefördert werden.

Es bedarf also der Bereitstellung von weiteren Ressourcen, der Implementierung nachhaltiger Strukturen sowie der Verstetigung von Programmen Kultureller Bildung in Schulen – darin waren sich die Teilnehmenden der Fachtagung einig.

Kathrin Teichmann

 

Das Tagungsprogramm

 

»Kultur und Schule in Deutschland, Keynote« – Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss,
Direktorin ba Wolfenbüttel.

 

»Förderprogramme in der Kulturellen Bildung als Legitimationsinstrumente?! Kritische Nachfragen aus neoinstitutionalistischer Perspektive« – Dr. Tobias Fink, Universität Hildesheim  

 

»Modell Kulturagenten« –  Prof. Dr. Birgit Mandel, Universität Hildesheim

 

»Modell Kulturschulen« – Prof. Dr. Heike Ackermann, Philipps-Universität Marburg

Material: Handout »KulturSchule Hessen«

 

Markt der Möglichkeiten | Praktiker präsentieren Projekte einer nachhaltigen kulturellen Schulentwicklung

 

Landesmodellprojekte stellen sich vor | Podium

v.l.n.r. Dr. Tobias Diemer (Stiftung Mercator, Kulturagenten, Essen), Rebecca Eichhorn (MWK Niedersachsen, Ref. 32, Schule:Kultur, Hannover), Podiumsmoderator Christian Kammler (Philipps-Universität Marburg), Andreas Knoke (Kultur.Forscher! Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Berlin), Angela Federspiel (Hessisches Kulturministerium, Ref. I.4.)

Audioaufnahme des Podiumsgesprächs

 

»Ein universitäres Modell. Der Weiterbildungsmaster Kulturelle Bildung an Schulen« – Prof. Dr. Anke Abraham, Philipps-Universität Marburg 

 

Landespolitische Ansätze | Podiumsdiskussion

v.l.n.r. Matthias Wolf (Leiter Referat Kulturelle Angelegenheiten, MK Baden-Württemberg), Cornelia Lüttgau, (B 52-180, Fachreferat Kulturelle Bildung, Hamburg),  Pia Hegener (Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW, Ref. 324), Podiumsmoderator Tom Braun (Geschäftsführer der BKJ, Remscheid), Birgit Wenzel (Ref. 25, MK Niedersachsen),  Ralf Seifert (MK Sachsen) 

»Was hat sich in 10 Jahren in Bezug auf kulturelle Schulentwicklung verändert und was bleibt bestehen?«

Gesamtaudioaufnahme des Podiumsgesprächs

 

»Die KulturTagJahr-Schule als Impulsgeber für die Vision einer neuen Schule« – Ein Zwischenruf von Uwe Gehrmann, Schulleiter, Integrierte Gesamtschule Nordend, Frankfurt am Main

 

Bündelung der Ergebnisse:

Beobachtung von Tom Braun, Geschäftsführer der BKJ, Remscheid

Ich habe mir überlegt, dass man ein Zusammenspiel bräuchte zwischen den Anforderungen der Mikro-Ebene, auf der die pädagogisch-künstlerische Arbeit stattfindet, der Meso-Ebene, auf der die Organisationsfragen liegen, aber auch auf der Makro-Ebene, die wir eben auf dem politischen Podium hatten. Nun versuche ich das im Fazit alles irgendwie zu verbinden. […]

 

Beobachtung von Claudia Hummel, Institut für Kunst im Kontext, Universität der Künste, Berlin

Beobachtung ist niemals punktuell. Sie verbindet sich immer mit zuvor gemachten Erfahrungen, Erkenntnissen aus der eigenen Bildungs-, bzw. Berufsbiografie. Daher koppeln sich die Beobachtungen von der Tagung mit den Erfahrungen, die ich zuvor im Feld gemacht habe und ich werde Ihnen im Folgenden Beobachtungen schildern, bezüglich dem, was hier für mich in den letzten zwei Tagen anwesend war, und auch bezüglich dem, was fehlte. […]

 

Beobachtung von Dr. Margarete Schweizer, Kinder zum Olymp, Kulturstiftung der Länder, Berlin

Danke für eine inhaltsreiche Tagung. Ich habe meine Beobachtung unter drei Aspekten vorgenommen, beziehungsweise habe drei Fragen hinterlegt. Die erste Frage ist: Was brauchen Schulen? Die zweite Frage: Was braucht die kulturelle Bildung in der Schule, damit sie dort wächst, blüht und gedeiht? Die dritte ist die Transferfrage im doppelten Sinne: Wie gelingt Verstetigung? Wie kommen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen in die Schule und in die Praxis? […]

 

Graphic Recording © Johanna Benz, freiberufliche graphic recording artist und Illustratorin von Magazinen und Zeitungen, Leipzig