Aktuelles

Sie können unsere Blogeinträge auch als RSS-Feed abonnieren.

Use the Museum! Fünf Vorschläge, wie Museen an die Kultur der Digitalität anknüpfen können

16.04.2018

Als Kuratorin für digitale Museumspraxis entwickle ich mit dem Historischen Museum Frankfurt seit zwei Jahren einen neuen Arbeitsbereich. Die wichtigsten Fragen sind: wie kann das Museum an die Kultur der Digitalität anknüpfen? Wie kommen wir »dahin«, wo unsere User schon längst sind? Und welche Expertisen muss sich das Museum dazu aneignen?

Museum digital


Mit unseren Fragen stehen wir natürlich nicht alleine, sondern sind Teil eines lebendigen Diskurs in der Museumslandschaft: Denn während auf der einen Seite die Digitalisierung  politisch vereinbart wird, fehlen auf der anderen Seite die rechtlichen Rahmen; obwohl (in Deutschland) seit vier Jahren ein Museum nach dem anderen seine digitale Strategie veröffentlicht, wird immer noch Handlung gefordert und wenn was passiert, dann kommt oft der Banalisierungsvorwurf. WLAN, Social Media, VR, UGC, Open Data, Datenschutz – es gibt so viel zu tun und so viele Widersprüche zwischen Erwartungshaltung und Einschränkungen. Und mittendrin das Museum, das wie im Feierabendverkehr irgendwie nur ruckelnd vorankommt. Was ist da zu tun?


1. Digital heißt nicht jung
Der fixe Gedanke, mit Social Media automatisch jüngeres Publikum zu erreichen, ist statistisch nachgewiesen nicht haltbar! Statt zu verallgemeinern, sollte man genauer hinschauen: Was für ist eine Gruppe oder Community möchte ich erreichen? Was sind ihre Userpraktiken und Interessensgebiete? Auf welchen Plattformen und Medien sind sie unterwegs? Und was könnten gemeinsame Schnittmengen sein? Museen sollten sich ernsthaft mit ihren Usergruppen auseinandersetzen und statt großer Reichweite eher eine Beziehung zu den verschiedenen Communities anstreben.

2. Einfache Wege legen
Museen sind in erster Linie ein öffentlicher Ort, ein Social Space, ein Forum für die Stadt. Wir leben davon, dass wir Besucher_innen und User erreichen! Dafür müssen wir auf allen Ebenen die Wege so einfach wie möglich gestalten und im Alltag unserer Zielgruppen anknüpfen, so dass wir einen nahtlosen Übergang bieten können: responsive Websites, Online-Tickets, einfache Kontaktmöglichkeiten per Social Media.

3. Genau Hinschauen
Wenn wir die Wege unserer User kennen, können wir uns genauer mit ihren Interessen und Bedürfnissen auseinandersetzen und eine erfolgreiche Customer Journey gestalten. Es gibt verschiedene Dimensionen, in denen Museen digitale Werkzeuge einsetzen können: als Brücke vor oder nach dem Museumsbesuch, zur Aktivierung im Museum, als parallele, und damit eigenständige, Ebene der Narration oder als Mittel zur Co-Kreation. Und damit einher geht auch die Einordnung der Maßnahmen – geht es um Vermittlung, Kommunikation, Marketing, Usergruppen, Partizipation oder Interaktion…? Je nachdem sind auch ganz unterschiedliche Angebote gefragt.

4. Online-Besucher und digitale Kultur
Museen konkurrieren mit einem Markt der Freizeitmöglichkeiten, der von Candy Crush bis Netflix reicht. Digital innovative Projekte werden vermehrt als Lösungsansätze gesehen, um schwindenden Besucherzahlen entgegen zu wirken. Dabei wird oft vergessen, dass hier die Online-Besucher_innen im Mittelpunkt stehen. Für den Museumsbesuch sind es oft die ganz basalen eher infrastrukturellen Angebote, wie WLAN oder Lademöglichkeiten für Smartphones, die ausschlaggebend sind. Dazu kommt, dass der der digitale Wandel nicht nur die Erwartungshaltung, sondern auch die Kultur selbst verändert – immer mehr digitale Kulturartefakte entstehen. Museen und ihre Sammlungen müssen neue Strategien entwickeln (zum Beispiel: #metoo- Sammlung oder auch Stadtlabor Digital), um auf diese nativ digitalen und/oder User-generierten Objekte zu reagieren.

5. Das ganze Museum mitnehmen (and beyond)
In der eigenen Content-Generierung können die Kolleg_innen aus den anderen Bereichen einbezogen werden: die Restaurator_innen, die Museumspädagog_innen, die Kurator_innen. An welcher Ausstellung wird gerade gearbeitet? Was passiert im Museum, was außerhalb? Museen sind wahnsinnig aktiv in der Generierung von Inhalten und haben spannende Expertisen, die es sich zu erzählen lohnt – in Beiträgen oder live bei Veranstaltungen. Wichtig ist auch, diese Geschichten im Alltag möglichst unkompliziert mit zu dokumentieren. Das geht schon mit einem guten Smartphone, mit dem auch Bewegtbild heute relativ schnell produziert werden kann. Es muss nicht immer die perfekte Qualität sein, sondern vor allem zu der Zielplattform passen. Und auch mit der Art und Weise, wie erzählt wird, kann gespielt werden, sodass zum Beispiel ein_e bestimmte_r Mitarbeiter_in filmt oder fotografiert und das Ganze ein sehr persönlicher Einblick hinter die Kulissen des Museums wird. Wichtig ist, sich für die digitale Kultur zu öffnen und aktiv zu werden – und das muss nicht alleine passieren, sondern kann auch sehr gut in regionalen Netzwerken, Kooperationen und Banden  funktionieren.

Dies ist ein Gastbeitrag von Franziska Mucha

Mucha

Franziska Mucha hat Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis in Hildesheim und Trondheim studiert. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit erforschte sie am Stapferhaus Lenzburg die Wechselwirkung von Künstlerischer Forschung und partizipativer Ausstellungsarbeit. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Projektmanagerin beim Ars Electronica Festival in Linz. Seit 2013 hat sie sich als Volontärin im Historischen Museum Frankfurt im Zuge der Neukonzeption mit partizipativen und digitalen Museumspraktiken beschäftigt. Seit 2016 ist sie als Kuratorin für digitale Museumspraxis am Historischen Museum Frankfurt tätig.

Dieser Artikel wurde unter abgelegt und mit Gastbeitrag, Digitalisierung, Museum verschlagwortet

Hinterlassen Sie einen Kommentar